EmoCityMap: in Schweden im Einsatz

Zwischen Menschen und ihrem Lebensraum herrschen enge Wechselwirkungen. Impulse von außen haben einen großen Einfluss auf den Körper und emotionale Reaktionen können geographischen Räumen zugeordnet werden. Die objektive Messung dieser normalerweise individuell unterschiedlich wahrgenommenen Reaktionen kann mit mobilen Sensoren verhältnismäßig einfach bewerkstelligt werden. Derartige Analysen können Räume von Stress, Angst oder Erholung identifizieren und emotionale Reaktionsmuster (bzw. Emotions- und Wahrnehmungsräume), die an bestimmten Orten auftreten, anschließend kartographisch darstellen.

Pilotstudie in Norrköping

Das „Emotional Response Mapping“ greift diese Grundidee auf, indem sowohl physiologische Parameter zur Erfassung emotionaler Reaktionen als auch Ortsinformationen kontinuierlich und gleichzeitig gemessen werden und dann in einem Geographischen Informationssystem (GIS) verbunden werden. Um Praxiserfahrungen zu sammeln, wurde in Zusammenarbeit mit Hälsans nya verktyg/New Tools for Health in der schwedischen Großstadt Norrköping eine empirische Pilotstudie durchgeführt. Dabei standen das Bewegungsverhalten und die sozialräumliche Wahrnehmung vornehmlich älterer Menschen im Vordergrund.

GPS- und Sensordaten zusammenführen und analysieren

Hierzu wurden die Studienteilnehmer mit GPS-fähigen Smartphones, die Positionsdaten liefern, sowie Sensorarmbändern ausgestattet. Letztere messen physiologische Parameter wie die Hautleitfähigkeit und die Hauttemperatur. Durch die Betrachtung relativer Änderungen sowie die Berechnung von Spitzenwerten (Peaks) lässt sich der aktuelle emotionale Zustand („Befindlichkeit“) und das körperliche Aktivations- und Erregungsniveau erkennen. So führt z. B. ein Anstieg der Schweißsekretion in Stress- oder Angstsituationen zu einer kurzfristigen Erhöhung der Hautleitfähigkeit. Die aufgenommenen GPS-Positionen können anschließend über den Zeitstempel an die Sensordaten gekoppelt und gemeinsam analysiert werden.

Welche Orte sind beliebt, welche nicht?

Für die Erfassung des Bewegungsverhaltens wurden nur zu Fuß zurückgelegte Wegstrecken außerhalb von Gebäuden berücksichtigt. Die daraus ableitbare Aufenthaltsdauer, also die Zeit, die alle Probanden kumuliert an jedem einzelnen Ort verbracht bzw. sich dort fortbewegt haben, lässt Rückschlüsse über die Bedeutung eines Ortes zu. Darüber hinaus können typische Bewegungsmuster bzw. intensiv genutzte Räume („Aufenthaltsindex“) identifiziert werden. Auch die Hautleitfähigkeit konnte bei Betrachtung der Konzentration wahrgenommener Stimuli Räume aufzeigen, die eine erhöhte Aufmerksamkeit („Emotional Response Index“) erzeugt haben. Weitere geostatistische Analysen umfassten neben den genannten Parametern auch die Geschwindigkeit und zeigen Bereiche besonders hoher oder niedriger Werte an bzw. signifikante Ausreißer. In einem weiteren Schritt wurden die Ergebnisse der einzelnen Analysen zusammengefasst, um auffällige Orte zu erkennen.

Ausblick

Die durch die Studie gewonnenen Informationen im Hinblick auf die intersubjektive Raumwahrnehmung können wertvolle Impulse für potenzielle Anwendungen des vorgestellten Verfahrens in der Stadtplanung, (Stadt-)Marketing oder Tourismus liefern und eine Basis für interdisziplinäre Folgestudien, z. B. in der Altersforschung, bieten.

Autor: Heinrich Lorei